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Japan Presse |
10.12.2001 |
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| Montag, 10. Dezember 2001 Berlin, 18:06 Uhr | |||
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Höfliche Freude und schlechte Erfahrungen
Von Bernd Weiler
Tokio - Im Schlaraffenland der Verlage erlag die Medienvielfalt an diesem Tag der völligen Gleichförmigkeit. Die abendlich herausgegebenen Samstagsausgaben der großen japanischen Tageszeitungen zierte dasselbe Bild, ein Foto, auf das alle Redaktionen eine Woche gewartet hatten: Prinzessin Aiko in den Armen ihrer Mutter, daneben der stolze Vater, Kronprinz Naruhito. Unter der Regie des kaiserlichen Haushofamtes wurde dieser Moment festgehalten und das Foto in die bürgerliche Welt verteilt. Die Ehrfurcht vor dem Ereignis ließ keine Alternative zu, dies war ein Bild für die erste Seite. Mutter und Kind sind aus der Klinik entlassen. In höflicher Freude wurde auch dieser letzte Akt einer Geburt zu Hofe von Japans Medien publizistisch zelebriert - so wie schon am Freitag die Namensgebung und am 1. Dezember die Nachricht, dass die Kronprinzenfamilie ein Töchterchen bekommen hat. Als Prinzessin Aiko zur Welt kam, rollten die Druckmaschinen an: "Extrablatt, Extrablatt - eine Prinzessin ist geboren." Auf Tokios edelster Einkaufsmeile wurde den Zeitungsjungen die Sonderausgabe aus den Händen gerissen. Ein Medienspektakel: Die Zeitung im Mittelpunkt, drum herum ein Knäuel potenzieller Leser, dahinter die Fernsehkameras und die Beobachter der Nachrichtenagenturen. Welcher Kommentator käme nicht zu dem Schluss, Japan fieberte dem jüngsten Spross der Kaiserfamilie entgegen? Vergessen waren die vielen Teilnahmslosen, die in diesem Moment unbeirrt ihren Weihnachtseinkäufen nachgingen. "Japan jubelt", das war die Schlagzeile. "Japan jubelt nicht" wäre eine Falschmeldung gewesen, "Japan jubelt ein bisschen", hätte gestimmt - sich aber nicht geziemt. Die großen Verlage wussten, wie überschwängliche Nachfrage zu entfachen ist: Die Extrablätter wurden kostenlos verteilt. "Yomiuri Shimbun", mit einer täglichen Auflage von zehn Millionen Exemplaren Japans größte Zeitung, streute 815 000 Sonderexemplare über das Land; "Asahi Shimbun" konzentrierte sich mit 135 000 Stück auf den Großraum Tokio. Jede japanische Zeitung hatte zwei Aufmacher parat: einen für einen Jungen, einen Thronfolger der übernächsten Generation, und einen für ein Mädchen, das nach geltenden Gesetzen den Chrysanthementhron nicht besteigen kann. Die Texte waren von höchsten Instanzen geschliffen, nichts sollte die Freude trüben, der Tenno und seine Familie sind Chefsache. Als die Schwangerschaft in ihren schwierigen Wochen war, herrschte Selbstzensur in Japan, denn die Diener des Hofes hatten im Dezember 1999 den Medienrummel als einen Störfaktor für Masako ausgemacht, als diese eine Fehlgeburt erlitt. Damals war die ehrwürdige "Asahi Shimbun" vorangeprescht, hatte exklusiv von guten Hoffnungen berichtet. Solche Indiskretionen sollten sich nicht wiederholen: Japans Paparazzi wurden in die Schranken gewiesen, Kronprinzessin Masako noch mehr als üblich abgeschirmt. Seither gab es keine Enthüllungsgeschichten, keine wilden Spekulationen mehr. Brav nahmen Japans Medien die wenigen Bilder, die ihnen geboten wurden. |
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