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27.02.2002

 
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 Schule
 
SCHÜLERDRILL IN JAPAN

Wer siegen will, braucht "Gokaku Soba" (2)

Zurück zum 1. Teil

Viele leiden unter den großen Erwartungen ehrgeiziger Eltern, sagt Erziehungsberaterin Mineko Maeda aus Yokohama. Den Trend zu Aggression und Apathie im Schulalltag erklärt die Expertin überdies damit, dass sich Nippons Schüler zunehmend in zwei extreme Gruppen teilen: eine Elite, die sich mit Hilfe teurer, privater Jukus den Weg auf eine Spitzen-Uni erpaukt. Und jene Nachzügler, die sich längst keine Chance mehr ausrechnen, auf eine prestigereiche weiterführende Schule zu kommen.

Schönschreib-Wettbewerb: Nur an Grundschulen geht es spielerisch zu
AP
GroßbildansichtSchönschreib-Wettbewerb: Nur an Grundschulen geht es spielerisch zu

Ähnlich wie andere Errungenschaften der "Japan AG" - etwa die automatische Beförderung nach Alter oder die lebenslange Arbeitsplatzgarantie - steckt das Schulsystem des Landes in einer tiefen Krise. Zwar gelingt erstaunlichen 97 Prozent der Japaner der Sprung auf die Oberschule, und davon fast die Hälfte erreicht die Hochschule. Doch gerade in der aktuellen Rezession winkt nur solchen Jugendlichen ein Traumjob, die es auf eine Spitzen-Uni schaffen.

In den kommenden Wochen erwarten Nippons Jukus wieder großen Andrang, wenn die Vorbereitung für die nächste Prüfungssaison beginnt. Am privaten "Yoyogi Seminar" in Tokio, das pro Schüler jährlich bis zu 650.000 Yen (5600 Euro) für die Vorbereitung auf Uni-Eingangstests verlangt, schreiben sich Neuankömmlinge an 15 verglasten Schaltern ein. Wie in der Kreditabteilung einer Bank werden sie zunächst nach ihrem Wissen eingestuft und dann auf passende Kurse verteilt.

Blitzkur für matte Prüfungskandidaten

Am Eingang von "Yoyogi" prangt eine große Tafel. Links stehen die Namen japanischer Unis, rechts steht, wie viele Absolventen der Juku es in welche Hochschule geschafft haben. "Unser Lehrpersonal weiß genau, für welche Uni man mit welchen Kniffen lernen muss", sagt Juku-Planungschef Takeshi Kitagaki. Über Satellit übertragen Yoyogis prominente Pauk-Gurus ihre Lernprogramme ins ganze Land.

Viele Juku-Schüler sind so genannte "Ronin" - "herrenlose Samurai". So heißen in Japan jene Prüflinge, die im ersten Anlauf nicht an eine Uni ihrer Wahl gelangen und daher ein weiteres Jahr büffeln müssen. Die Eifrigsten belegen Kurse von bis zu sechs Stunden täglich. Dabei kommt es schon mal vor, dass gestresste Kandidaten körperlich oder seelisch schlapp machen. Nur keine Panik: In der hauseigenen "Yoyogi-Klinik" kurieren Ärzte die Erschöpften für weitere Etappen der "Prüfungshölle"; auch psychologische Betreuer stehen bereit.

Warten auf das große Freudenfest

Dass Nippons Bildungswesen auch ohne Jukus auskommen könnte, will die Technische Oberschule Kawasaki (KST) beweisen. An dieser Schule - für die Industriestadt Kawasaki ein Aushängeschild - läuft vieles anders: Schon das moderne 15-stöckige Gebäude unterscheidet sich von den in Nippon sonst üblichen, grauen, selten klimatisierten Betonbauten. Zwar lauschen auch hier die Schüler in ihren blauen Schuluniformen frontal den Lehrern, doch an der Wand prangt im roten Rahmen das Leitmotiv: "Miteinander lernen, sich gegenseitig etwas beibringen und sich helfen."

Fremdsprachen lückenhaft: Japanische Toilettenpapierverpackung
GroßbildansichtFremdsprachen lückenhaft: Japanische Toilettenpapierverpackung

Die KTS-Schüler sollen sich möglichst ohne Juku gemeinsam auf die Aufnahmeprüfung vorbereiten. Dieses Ziel ist jedoch nur mit hohem freiwilligen Einsatz der Pädagogen erreichbar: Schon morgens ab halb acht und bis spät abends trainieren sie die Prüflinge auch außerhalb des regulären Unterrichts. KTS-Konrektor Hiroshi Nagano deutet auf eine leere Wand vor der Schulbibliothek. In wenigen Wochen will er hier - wie jedes Jahr - die lange Liste jener Schulabgänger anpinnen, die es im ersten Anlauf an eine Uni ihrer Wahl geschafft haben.

Naganos größter Wunsch dürfte allerdings auch in diesem Jahr nicht erfüllt werden: dass es einer seiner Schützlinge auf die Todai, die staatliche Spitzen-Uni des Landes, schafft. Sollte es aber eines Tages klappen, werden sie an der KTS ein Freudenfest veranstalten. Eine große Tageszeitung, verrät Nagano, habe ihm bereits versprochen, "dass sie dann einen großen Bericht über unsere Schule schreibt".

Ohne Juku an die Todai? Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen..\fs\fs-020309.htm, werden auch die fleißigen Schüler von Kawasaki noch viele "Prüfungsbesteh-Nudeln" verspeisen müssen.

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