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zum 1. Teil
Viele leiden unter den großen Erwartungen
ehrgeiziger Eltern, sagt Erziehungsberaterin Mineko Maeda aus Yokohama.
Den Trend zu Aggression und Apathie im Schulalltag erklärt die Expertin
überdies damit, dass sich Nippons Schüler zunehmend in zwei extreme
Gruppen teilen: eine Elite, die sich mit Hilfe teurer, privater Jukus
den Weg auf eine Spitzen-Uni erpaukt. Und jene Nachzügler, die sich
längst keine Chance mehr ausrechnen, auf eine prestigereiche
weiterführende Schule zu kommen.
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Schönschreib-Wettbewerb:
Nur an Grundschulen geht es spielerisch zu |
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Ähnlich wie andere Errungenschaften der "Japan
AG" - etwa die automatische Beförderung nach Alter oder die lebenslange
Arbeitsplatzgarantie - steckt das Schulsystem des Landes in einer tiefen
Krise. Zwar gelingt erstaunlichen 97 Prozent der Japaner der Sprung auf
die Oberschule, und davon fast die Hälfte erreicht die Hochschule. Doch
gerade in der aktuellen Rezession winkt nur solchen Jugendlichen ein
Traumjob, die es auf eine Spitzen-Uni schaffen.
In den kommenden Wochen erwarten Nippons Jukus
wieder großen Andrang, wenn die Vorbereitung für die nächste
Prüfungssaison beginnt. Am privaten "Yoyogi Seminar" in Tokio, das pro
Schüler jährlich bis zu 650.000 Yen (5600 Euro) für die Vorbereitung auf
Uni-Eingangstests verlangt, schreiben sich Neuankömmlinge an 15
verglasten Schaltern ein. Wie in der Kreditabteilung einer Bank werden
sie zunächst nach ihrem Wissen eingestuft und dann auf passende Kurse
verteilt.
Blitzkur für matte Prüfungskandidaten
Am Eingang von "Yoyogi" prangt eine große
Tafel. Links stehen die Namen japanischer Unis, rechts steht, wie viele
Absolventen der Juku es in welche Hochschule geschafft haben. "Unser
Lehrpersonal weiß genau, für welche Uni man mit welchen Kniffen lernen
muss", sagt Juku-Planungschef Takeshi Kitagaki. Über Satellit übertragen
Yoyogis prominente Pauk-Gurus ihre Lernprogramme ins ganze Land.
Viele Juku-Schüler sind so genannte "Ronin" -
"herrenlose Samurai". So heißen in Japan jene Prüflinge, die im ersten
Anlauf nicht an eine Uni ihrer Wahl gelangen und daher ein weiteres Jahr
büffeln müssen. Die Eifrigsten belegen Kurse von bis zu sechs Stunden
täglich. Dabei kommt es schon mal vor, dass gestresste Kandidaten
körperlich oder seelisch schlapp machen. Nur keine Panik: In der
hauseigenen "Yoyogi-Klinik" kurieren Ärzte die Erschöpften für weitere
Etappen der "Prüfungshölle"; auch psychologische Betreuer stehen bereit.
Warten auf das große Freudenfest
Dass Nippons Bildungswesen auch ohne Jukus
auskommen könnte, will die Technische Oberschule Kawasaki (KST)
beweisen. An dieser Schule - für die Industriestadt Kawasaki ein
Aushängeschild - läuft vieles anders: Schon das moderne 15-stöckige
Gebäude unterscheidet sich von den in Nippon sonst üblichen, grauen,
selten klimatisierten Betonbauten. Zwar lauschen auch hier die Schüler
in ihren blauen Schuluniformen frontal den Lehrern, doch an der Wand
prangt im roten Rahmen das Leitmotiv: "Miteinander lernen, sich
gegenseitig etwas beibringen und sich helfen."
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Fremdsprachen
lückenhaft: Japanische Toilettenpapierverpackung |
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Die KTS-Schüler sollen sich möglichst ohne Juku
gemeinsam auf die Aufnahmeprüfung vorbereiten. Dieses Ziel ist jedoch
nur mit hohem freiwilligen Einsatz der Pädagogen erreichbar: Schon
morgens ab halb acht und bis spät abends trainieren sie die Prüflinge
auch außerhalb des regulären Unterrichts. KTS-Konrektor Hiroshi Nagano
deutet auf eine leere Wand vor der Schulbibliothek. In wenigen Wochen
will er hier - wie jedes Jahr - die lange Liste jener Schulabgänger
anpinnen, die es im ersten Anlauf an eine Uni ihrer Wahl geschafft
haben.
Naganos größter Wunsch dürfte allerdings auch
in diesem Jahr nicht erfüllt werden: dass es einer seiner Schützlinge
auf die Todai, die staatliche Spitzen-Uni des Landes, schafft. Sollte es
aber eines Tages klappen, werden sie an der KTS ein Freudenfest
veranstalten. Eine große Tageszeitung, verrät Nagano, habe ihm bereits
versprochen, "dass sie dann einen großen Bericht über unsere Schule
schreibt".
Ohne Juku an die Todai? Um dieses ehrgeizige
Ziel zu erreichen