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23.04.2002

 
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ABGEDREHT

Japan spielt anders

Von Gregor Wildermann

Japan ist die Daddel-Nation Nummer eins und versorgt den Rest der Welt mit zahlreichen pfiffigen Spielideen. Doch viele typisch japanische Titel brauchten lang, um es in den Westen zu schaffen: Unverständlich, denn wer wäre nicht gern einmal Mücke?

  Ja, Treffer! In japanischen Spielen kann es schon mal Punkte dafür geben, erfolgreich Blut zu saugen - als Mücke
GroßbildansichtJa, Treffer! In japanischen Spielen kann es schon mal Punkte dafür geben, erfolgreich Blut zu saugen - als Mücke

Für manche ist es das Land der Rätsel und Widersprüche, für andere das Traumziel voller Hightech und ewig lächelnder Menschen. Japan und seine 130 Millionen Einwohner rücken dieses Jahr als Gastgeberland der Fußballweltmeisterschaft in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit, während in der Vergangenheit vor allem Sushi, Samurais und Sapporo-Bier unser oberflächliches Verständnis vom Inselstaat prägten.

Im Bereich der Jugendkultur stehen neben den Manga-Comics vor allem Computerspiele für den scheinbar unbändigen Wunsch vieler Japaner nach Realitätsflucht und Ablenkung. Videospiele werden von nahezu jeder Altergruppe gekauft und Werbespots für die neuesten Spiele laufen im Fernsehen regelmäßig zur Prime-Time.

Dabei unterscheiden sich die Spielgewohnheiten im Vergleich zu Europa oder Amerika enorm, denn Japaner interessieren sich eher für Rollenspiele oder klassische Brettspielumsetzungen im Stil von Mah-Jong. Vom streng hierarchischen Berufsystem profitieren in der digitalen Spielwelt vor allem die Umsetzungen, die es dem Japaner erlauben, für wenige Stunden auch mal einen der hoch angesehenen Berufe oder Sportarten auszuüben. Renn- und Adventurespiele erfreuen sich nur einer beschränkten Spielgemeinde, gleiches gilt für Strategiespiele, die meistens auf dem PC erscheinen.

Diese Art von Computer identifizieren Japaner hauptsächlich mit ihrem Arbeitsplatz und wollen deswegen in ihrer Freizeit nicht noch mal davorsitzen. Dies erklärt zum Teil den Erfolg von Videospielkonsolen, die wegen ihrer einfachen Bedienung und kompakten Größe geschätzt werden. Auch im Genrebereich zeigt sich japanische Entwickler wesentlich risikobereiter und selbst äußerst kuriose Spielideen werden für gängige Konsolen umgesetzt.

Japanische Männerphantasie: Junge, blutvolle Mädchen...
GroßbildansichtJapanische Männerphantasie: Junge, blutvolle Mädchen...

Summ, summ, summ...

Waren solche Spiele in der Vergangenheit auf dem deutschen Markt fast unverkäuflich, finden nun immer mehr Ausnahmespiele auch unter hiesigen Spielernaturen eine Anhängerschaft. Als einer der ersten Publisher hat die Firma Eidos ("Lara Croft") unter dem Titel "Fresh Games" einige Titel für Europa konvertiert.

Herausragendes Beispiel ist "Ka: Yamada-ke No Natsu", das im neuen Titel "Mr. Mosqueeto" heißt und den Spieler in die Flugperspektive eines Moskitos versetzt. Als Ziel des PlayStation 2-Game gilt es, über zwöf Level möglichst unauffällig den Mitgliedern der Familie Yamada das Blut an bestimmten Stellen auszusaugen. Gefahr droht dem Flügeltier durch klatschende Hände oder Insektenspray, dem der Moskito ausweichen muss.

Die Bewohner, die man als Moskito im Tiefflug zu Gesicht bekommt sind natürlich meist weiblich und halten sich vorzugsweise in der Badewann oder im Bett auf.

Beim japanischen Konsolenspiel "Primal Image", das bisher noch nicht importiert wurde ist es möglich, die drei virtuellen Models Yuki, Anna und Non auf der Tanzfläche, am Pool oder auf dem Laufsteg zu begaffen. Wer von diesen mit einer Kamera gute Bilder schießt, bekommt Punkte gut geschrieben, die dann im so genannten "Posing Mode" verrechnet werden. Und erst in diesem Modus wird der Traum männlichen Spieler wahr: Das Supermodel tanzt nach ihrer Pfeife!

Hü: Wer braucht Schumis, wenn er stattdessen mit echten kleinen Männern auf Pferden spielen kann?
GroßbildansichtHü: Wer braucht Schumis, wenn er stattdessen mit echten kleinen Männern auf Pferden spielen kann?

Hoppe. Hoppe, Reiter!

Ähnlich wie in anderen Ländern haben Sportsimulationen für Fußball, Baseball oder Formel 1 auch in Japan ihre feste Käuferschicht. Hier jedoch noch völlig unbekannt sind digitale Pferderennen, die sich im ehemaligen Kaiserstaat zum Publikumsmagnet entwickelt haben. Nahezu jede Spielhalle hat seinen eigenen Bereich für virtuelle Pferdewetten und an großen Screens mit eigenen Sitzplätzen darf gewettet werden.

Heimische Konsolenspieler können sich Dank der Firma THQ nun auch einen ersten Eindruck von diesem sehr speziellen Genre machen: In "GI Jockey" (KOEI) durchläuft man von Stalljungen bis zum Meisterjockey die ganze Karriere und kann am Ende unter 2000 verschiedenen Rennpferden auswählen. Ganz wie im richtigen Rennen darf dem Pferd die Peitsche gegeben werden und auch ein Zielphoto macht klar deutlich, auf welchem Platz der eigene Galopper gelandet ist.

Während die eigentlichen Rennen schon überraschend spannend und real wirken, ist das mühsame Durcharbeiten von Statistiken und Gesundheitsdaten eher mühsam. Aber auch der Konsolenneuling Microsoft weiß, das das Glück im Land der aufgehenden Sonne eben auf dem Rücken der Pferde zu suchen ist. So war es fast zwingend, mit "Jockeys Road" (Progress Software) auch eine Pferderennsimulationen unter den Starttiteln der neuen Xbox-Konsole anbieten zu können.

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