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Fisch schmeckt, Stürmer
trifft
Japan im Takahara-Rausch
von Bernd Weiler
Tokio - Zwischen Nudelküchen und Nachtbars
kommt der Sport in Tokios Szene-Viertel Shibuya nicht zu kurz. Im
"Champion" wird fast alles verkauft, was im Trend liegt - und doch sah das
Sportgeschäft das Takahara-Fieber nicht voraus: Ausverkauft die Trikots,
die den Namen des japanischen Stürmers tragen, vergriffen die Hemden des
Hamburger SV. Enttäuscht mussten zuletzt auch die Kunden des "World Sports
Plaza" in Daiba wieder abziehen. "Eigentlich sollte eine weitere Lieferung
bei uns eintreffen, aber wir warten immer noch", entschuldigt sich die
Verkäuferin. Ein Trikot mit dem Namenszug "Takahara" kostet 11 300 Yen,
also rund 87 Euro, ein namenloses HSV-Leibchen ist deutlich billiger, für
7800 Yen, zu haben.
Gute Geschäfte ließen sich also durchaus machen.
Takahara trifft. Erst beim FC Bayern, nun gegen den FC Schalke 04.
Glücklich sei er über sein erstes Heimtor, ließ der 23-Jährige wissen am
Samstag, aber unglücklich mit seiner Situation. Er sitzt nur noch auf der
Bank, erträgt aber das Schicksal. "Ich würde lieber von Beginn an
spielen", ließ er übersetzen, "aber das entscheidet der Trainer. Ich muss
es hinnehmen." Und das ihm, der jüngst sogar zu Japans "Fußballer des
Jahres 2002" gewählt wurde.
Spätestens mit seinem Treffer gegen Oliver Kahn
hat er nämlich Japans Italien-Legionäre Hidetoshi Nakata (Parma) und
Shunsuke Nakamura (Reggina) in den Schatten gestellt: Wer einen Kahn
bezwingt, muss einfach sehr gut sein - der Bayern-Torhüter ist in Japan
ein Superstar. Ein Verlag legte jüngst einen Fotoband auf, das "Porträt
der Nummer 1" verkauft sich blendend.
Beim Fernsehsender "Wowow", den man nur mit einem
Decoder empfangen kann, reiben sich die Programmdirektoren ebenfalls die
Hände. Nach der Weltmeisterschaft im eigenen Land hatten sie die
Bundesliga-Rechte erworben, und "dank Kahn stieg die Zahl der japanischen
Fußballfans, die deutsche Spiele sehen, die Kahn in der Bundesliga weiter
verfolgen wollen", sagt Naoki Takamizawa von "Wowow". Takahara sei jetzt
der zweite Zuschauermagnet. Wie viele sich zuschalten, das ist ein
Betriebsgeheimnis. Takamizawa verrät nur soviel: "Nach Toren von Takahara
sprudeln bei uns die E-Mails ein."
Via Internet lobt Takahara derweil brav die
Stimmung im Team - und das Essen in der Hansestadt: "Der Fisch hier
schmeckt delikat." Gute Werbung für Hamburg. |