Japan Presse
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17.03.2003

Montag, 17. März  2003     Berlin, 07:15 Uhr

DIE WELT

Fisch schmeckt, Stürmer trifft

Japan im Takahara-Rausch

von Bernd Weiler

Tokio  -  Zwischen Nudelküchen und Nachtbars kommt der Sport in Tokios Szene-Viertel Shibuya nicht zu kurz. Im "Champion" wird fast alles verkauft, was im Trend liegt - und doch sah das Sportgeschäft das Takahara-Fieber nicht voraus: Ausverkauft die Trikots, die den Namen des japanischen Stürmers tragen, vergriffen die Hemden des Hamburger SV. Enttäuscht mussten zuletzt auch die Kunden des "World Sports Plaza" in Daiba wieder abziehen. "Eigentlich sollte eine weitere Lieferung bei uns eintreffen, aber wir warten immer noch", entschuldigt sich die Verkäuferin. Ein Trikot mit dem Namenszug "Takahara" kostet 11 300 Yen, also rund 87 Euro, ein namenloses HSV-Leibchen ist deutlich billiger, für 7800 Yen, zu haben.

Gute Geschäfte ließen sich also durchaus machen. Takahara trifft. Erst beim FC Bayern, nun gegen den FC Schalke 04. Glücklich sei er über sein erstes Heimtor, ließ der 23-Jährige wissen am Samstag, aber unglücklich mit seiner Situation. Er sitzt nur noch auf der Bank, erträgt aber das Schicksal. "Ich würde lieber von Beginn an spielen", ließ er übersetzen, "aber das entscheidet der Trainer. Ich muss es hinnehmen." Und das ihm, der jüngst sogar zu Japans "Fußballer des Jahres 2002" gewählt wurde.

Spätestens mit seinem Treffer gegen Oliver Kahn hat er nämlich Japans Italien-Legionäre Hidetoshi Nakata (Parma) und Shunsuke Nakamura (Reggina) in den Schatten gestellt: Wer einen Kahn bezwingt, muss einfach sehr gut sein - der Bayern-Torhüter ist in Japan ein Superstar. Ein Verlag legte jüngst einen Fotoband auf, das "Porträt der Nummer 1" verkauft sich blendend.

Beim Fernsehsender "Wowow", den man nur mit einem Decoder empfangen kann, reiben sich die Programmdirektoren ebenfalls die Hände. Nach der Weltmeisterschaft im eigenen Land hatten sie die Bundesliga-Rechte erworben, und "dank Kahn stieg die Zahl der japanischen Fußballfans, die deutsche Spiele sehen, die Kahn in der Bundesliga weiter verfolgen wollen", sagt Naoki Takamizawa von "Wowow". Takahara sei jetzt der zweite Zuschauermagnet. Wie viele sich zuschalten, das ist ein Betriebsgeheimnis. Takamizawa verrät nur soviel: "Nach Toren von Takahara sprudeln bei uns die E-Mails ein."

Via Internet lobt Takahara derweil brav die Stimmung im Team - und das Essen in der Hansestadt: "Der Fisch hier schmeckt delikat." Gute Werbung für Hamburg.

 

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